Wieso sollte gerade Bremen mit dem Klimaschutz beginnen?

Bremen ist das kleinste Bundesland Deutschlands. Wir werden seit 12 Jahren von einer grün-roten Koalition regiert. Trotzdem ist Bremen weiterhin weit von der Klimaneutralität entfernt! Dabei wäre das absolut notwendig, um als Land eine Zukunftsperspektive zu erhalten! In vielen Bereichen der Politik wird Bremen belächelt, vor allem in der Bildungspolitik. Wir Schüler*innen und Studierenden fordern deshalb, dass Bremen in der Bildungspolitik als glänzendes Beispiel voran geht! Wenn wir auf Bundesebene Klimaneutralität mit Netto-Null bis 2035 fordern, dann muss Bremen bereits 2030 klimaneutral sein!

Wie begründen wir unsere Forderungen?

Es ist dringend nötig das die Emissionen von CO2-Äquivalenten vermindert werden! Und die großen Emittenten der Treibhausgase kennt mittlerweile eben jedes Kind. Zentral sind die Energiegewinnung, die Industrie, der Bau, der Personenverkehr und die Ernährung. Vor allem in diesen Sektoren stellen wir nun die Forderungen, die für eine Klimaneutralität Bremens absolut notwendig sind!

Energiegewinnung. Durch die Kohlekraft werden jedes Jahr 3,725 Millionen Tonnen CO2 in unsere Athmosphäre ausgestoßen. Das wird nur noch durch die Stahlwerke getoppt, die für 4,286 Millionen Tonnen C02 verantwortlich sind. Die Kohlekraftwerke hier in Bremen sind zudem veraltet und werfen kaum noch Gewinn ab. Das Kraftwerk Hafen Block 6 macht bereits nur noch Verluste. Der Anschluss an erneuerbare Energien ist dabei schon längst möglich. Trotzdem wird an den fossilen Brennstoffen festgehalten.Durch so ein reaktionäres Verhalten wird unsere Zukunft aktiv auf’s Spiel gesetzt, denn die gibt es nur 100% erneuerbar!

Industrie. In der Industrie, grade in der Stahlindustrie, müssen alle möglichen Kräfte investiert werden, um die Forschung voranzutreiben und dadurch weitere Möglichkeiten für die Klimaneutralität zu schaffen beziehungsweise die bestehenden zu verbessern! Auch hier muss Klimaschutz aktiv vorangebracht werden!

Bau. 40% unserer Energieverbrauches in Deutschland stammt aus Gebäuden, in denen Energie und Ressourcen nicht effizient genutzt werden. Das Wohnen in der Zukunft muss neuen Maßstäben genügen. Dafür müssen moderne Formen des Zusammenlebens gefunden und gefördert werden. Und die Häuser, in denen wir dann leben werden, müssen effizient und klimaneutral sein!

Personenverkehr. 2018gab es 230.000Autos auf Bremens Straßen, dazu kommen 80.000 weitere Autos von Pendler*innen. 1,362 Millionen Tonnen Abgase verschmutzen so unsere Luft. Hinzu kommen die vielen CO2-Äquivalente durch Kurzstrecken-Flüge! Pro Person, die in einen Flieger von Bremen nach Frankfurt steigt, werden 0,123 Tonnen dieser ausgestoßen. Dadurch wird nicht nur die Klimaerwärmung vorangetrieben, sondern auch die Lebensqualität der Bremer Bürger*innen ganz konkret gemindert! Dabei gibt es grade in diesem Sektor so viele–relativ einfache–Alternativen. Städte wie Tallinn, Estlands Hauptstadt, gehen hier mit gutem Beispiel voran, wo durch den kostenlosen ÖPNV seit 2013 48 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart werden konnten. Bremen darf sich nicht auf seinen paar Fahrradstraßen ausruhen, sondern muss konsequent Flächen umwidmen, Geld investieren und die Verkehrswende endlich durchsetzen!

Ernährung. 40% des individuellen Fußabdrucks werden durch eine tierfreie Ernährungvermindert und durch jedes regionale Lebensmittel sparen wir, im Vergleich mit einem aus Übersee eingeflogenen Lebensmittel, fast 11 Kilogramm CO2. Weil aber aktuell genau diese Lebensmittel nicht subventioniert werden, können viele Personen es sich einfach nicht leisten, sich Bio, regional und vegan zu ernähren. Damit eine nachhaltige Ernährung kein Luxus bleibt, muss das Land hier systematisch durch Förderung nachhelfen. Gleichzeitig verschwenden wir 30% unserer weltweiten Anbaufläche und kostbarer Ressourcen, wie Wasser und Energie, für Lebensmittel, die dann auf dem Müll landen. Lebensmittelverschwendung in Zeiten, in denen andere Menschen bereits aufgrund der Folgen der Klimakrise verhungern, zeigt, wie privilegiert wir im Globalen Norden leben. Wir dürfen unsere Ressourcen nicht mehr weiter so verspielen und leben, als würde es drei Erden geben!

Sind unsere Forderungen unrealistisch?

Unsere Forderungen sind hoch angesetzt. Aber das ist absolut notwendig!Denn während die Politiker*innen verpasst haben, rechtzeitig mit einer zukunftstauglichen Klimapolitik zu beginnen, hat die Klimakrise keine Pausen gemacht! Wir haben nicht mehr die Freiheiten, uns langsam und vorsichtig an die Klimaneutralität heranzutasten, denn die Zeit läuft uns davon. Um genau zu sein, bleiben uns nach den aktuellen wissenschaftlichen Berichten des IPCC noch 11,5 Jahre. Und genau deshalb sind unsere Forderungen so radikal!

Wie sind unsere Forderungen entstanden?

Wir haben uns das erste Mal vor circa einem Monat in einer AG zusammengesetzt und recherchierte Ideen zusammengetragen. Die wurden dann ausdiskutiert und miteinander abgestimmt. Schließlich haben wir uns das Feedback von den Scientists For Future eingeholt, damit all unsere Forderungen auch wirklich Sinn ergeben. Wir wollten dabei aber weiterhin radikal bleiben und uns nicht dem unterwerfen, was die aktuellen Politiker*innen als möglich ansehen!

Wie sollen die Parteien auf unsere Forderungen reagieren?

Diese Forderungen sind ein Apell! Ein Apell, dass die Politiker*innen endlich beginnen, im Namen der Zukunft zu handeln. Ja, manche unserer Forderungen werden vielleicht auch Wähler*innen abschrecken, weil sie dazu führen, dass das teilweise verantwortungslose Verhalten überdacht wird. Aber wir sind die nächste Wählergeneration. Das Handeln der aktuellen Politik nimmt maßgeblich Einfluss darauf, ob wir auch nach 2031 noch eine Chance auf ein lebenswertes Leben haben. Und es ist Zeit, dass dringend Zeit, dass die Politiker*innen endlich Rückgrat beweisen und für ihre Versprechen einstehen! Diese Forderungen ^^csind keine Fürbitte, sondern ein klarer Auftrag! Denn es ist Zeit, dass auf Worte Taten folgen!